SANDRA MEISEL


FOTOGRAFIE
installation / SKULPTUR
PAPIERARBEITEN

BIOGRAFIE
ARTIST STATEMENT
KONTAKT
HOME




 

Artist statement, Sandra Meisel

Meine fotografische und skulpturale Arbeiten fokussieren sich auf physische und psychische Zustände, die sich in einer fragilen Balance halten, zu kippen oder aus dem Gleichgewicht zu geraten drohen. Installationen und Skulpturen, in die ich gefundene Gegenstände und recycelte Materialien integriere, beruhen auf minimalen, sehr präzisen Anordnungen. Das Spannungsverhältnis zwischen Zerbrechlichkeit und Massivität findet seine Entsprechung in den mit unterschiedlichen Erinnerungen und Bedeutungen aufgeladenen Ausgangsmaterialien. Während meine Arbeiten häufig Bezüge zu Alltagsdesign, industrieller Massenfertigung, architektonischer Funktionalität aufweisen, haftet ihnen eine surreale, fast traumartige Aura an.

In der Kombination verschmelzen Organisches und Technisches, Banalität und Bedeutung. Ein funktionslos gewordener Fensterladen hängt müde von der schwarzen Holzkonstruktion herab. Ein schwarzer Fetisch komplettiert das Bild. Eine spiralförmig gewundenes Metallstück oder ein Cluster aus Bauschaum können zu archetypischen Formen werden, die mit unbewussten Ängsten und Sehnsüchten, Sexualität und Körperlichkeit verbunden sind.

Meine Arbeiten beziehen sich u. a. auf C.G. Jungs Idee des kollektiven und persönlichen Unbewussten. Ebenso dient Samuel Beckett immer wieder als Inspiration für meinen Umgang mit Raum. Ohne die Dinge direkt anzusprechen, beschreiben die Arbeiten sehr persönliche Zustände: Überlagerungen, Verschmelzungen von Zuständen, persönlicher Verlust, das nicht-kontrollieren-Können von bestimmten Begebenheiten, Zweifel und Befindlichkeiten. Um pure Funktionalität, Verantwortung und Pflichtbewusstsein lodert blindes Getriebensein, kopfloses Suchen und ein Besessensein. Die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und die Grenze hin zum Wahnsinn, sind immer wieder Thema meiner Arbeiten.

Für meine Installationen greife ich die architektonischen Gegebenheiten des Raums aus und wähle markante Elemente aus, die ich in abgeänderter Form erneut in den Raum einbaue. Der Ausstellungsraum wird zu einem Ort, einer Utopie, der wie ein magnetisches Feld wirkt. Mich interessiert dabei die Darstellbarkeit und Übersetzung von psychologischen Inhalten und Zusammenhängen in skulpturale Assemblagen. Meist verstärke ich deren Wirkung durch eine andersartige Anordnung. Ich vertausche oben/unten oder Innen und Aussen oder ändere die Materialität der Elemente. Ich zwänge meine Materialien in organisch- verschrobene Formen, knote, spanne und dehne sie bis zur Belastungsgrenze. Meine Skulpturen spiegeln eine Balance zwischen radikalen Gegensätzen wider. Glatte Oberflächen werden mit Farbe und Kunstharz vernarbt und verschmutzt, massive Formen ins Schweben versetzt, scheinbar unkontrolliert wuchernde Formen durch architektonische Raster und Grundrisse gebändigt.

Diesen künstlichen Raumkonstruktionen stehen meine Fotoarbeiten gegenüber, die von der Suche nach grösstmöglicher Unmittelbarkeit gekennzeichnet sind. Nach jahrelanger Arbeit mit digitaler Fotografie kehre ich zur analogen Fotografie zurück: Es entstehen Lochkamerafotografien und Fotogramme, sowie Cyanotopien (Eisenblaudrucke, eines der ältesten fotografischen Edeldruckverfahren). Der Verzicht auf die Linse assoziieren sich mit alchemistischen Prozessen und dem Versuch, die Trennung zwischen Betrachter und Gegenstand, Objekt und Subjekt zu überwinden. Dabei interessiert mich das Unvorhersehbare in den analogen fotografischen Prozessen. Es kommt zu Überlappungen und Unschärfen.


** Interview lesen in deconarch.com (Magazine on ARTitecture / Art an Architecture) >>

** Sandra Meisel in Erfurt: Neuerliche Balanceakte am Rand des Fatalismus >>

 

My photographic and sculptural works focus on physical and mental states poised in a fragile balance that threatens to tip or overbalance at any time. Integrating found objects and recycled material, my installations and sculptures are based on minimalistic and precisely calibrated arrangements. The tense relationship between fragility and solidity finds its equivalent in the materials used, in their various meanings and allusions. While my works often bear reference to everyday functional design, industrial mass production and architectural functionality, they as well evoke a surreal, almost somnambulant aura.

Organic elements blend into technologic, banality and meaning merge. A window shutter, functionless, dangles from a black wooden construction. A black fetish completes the scene. A piece of metal twisted into a spiral or a lump of construction foam can become archetypical forms associated with fears and yearnings, sexuality and physicality.

My sculptural and photographic work has been influenced by C.G. Jung's idea of the collective and personal unconscious, as well as the work of Samuel Beckett served as an inspiration for my elaboration of installative contexts and resulting scenes. My works describe very personal states, yet without responding in an obvious manner: Layering, the merge of conditions, personal loss as well as the status of not being able to control certain conditions, doubt and sensitivities. Blind restlessness blazes around pure functionality, responsibility and duteousness. Dealing with the unconscious and its border leading to insanity, are recurring subjects of my works.

For my installations I take up on site-specific conditions and circumstances and choose present outstanding elements of the location, repeating and rearranging them in a new manner. The exhibition space hence evolves into a modified space, an utopia - a magnetic field. I am interested in the possibilities of presentability and the transformation of psychological contents and references into sculptural assemblages. I often emphasize their effect through a re-arranged order and structure. I switch above and below, in – and outside or change the element’s materiality. I wedge materials into organic-cranky forms, knot, bend and stretch them up to their maximum limits.

My sculptures reflect a balance of radical counterparts: By using paint and resin, sleek surfaces are scarred and soiled, massive forms pretend to be weightless, apparently uncontrollable, rampant structures are tamed through architectural patterns and layouts.

These artificial site-specific constructions are up against my photographical works, which are marked by the quest of a maximum of immediacy. After years of working with digital photography I now return to analogue photography: The results are pinhole camera photographs and photograms, as well as cyanotypes (iron-phosphate prints are one of the oldest photographical fine art print procedures). The waiver of a lens associates with alchemistic processes and the attempt of overcoming the separation of viewer and article, subject and object. I am interested in the unpredictable aspects of analogue photographical processes: overlapping and blurring occur.