SANDRA MEISEL


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2016

Meine fotografische und skulpturale Arbeiten fokussieren sich auf physische und psychische Zustände, die sich in einer fragilen Balance halten, zu kippen oder aus dem Gleichgewicht zu geraten drohen. Installationen und Skulpturen, in die ich gefundene Gegenstände und recycelte Materialien integriere, beruhen auf minimalen, sehr präzisen Anordnungen. Das Spannungsverhältnis zwischen Zerbrechlichkeit und Massivität findet seine Entsprechung in den mit unterschiedlichen Erinnerungen und Bedeutungen aufgeladenen Ausgangsmaterialien. Während meine Arbeiten häufig Bezüge zu Alltagsdesign, industrieller Massenfertigung, architektonischer Funktionalität aufweisen, haftet ihnen eine surreale, fast traumartige Aura an.

In der Kombination verschmelzen Organisches und Technisches, Banalität und Bedeutung. Ein funktionslos gewordener Fensterladen hängt müde von der schwarzen Holzkonstruktion herab. Ein schwarzer Fetisch komplettiert das Bild. Eine spiralförmig gewundenes Metallstück oder ein Cluster aus Bauschaum können zu archetypischen Formen werden, die mit unbewussten Ängsten und Sehnsüchten, Sexualität und Körperlichkeit verbunden sind.

Meine Arbeiten beziehen sich u. a. auf C.G. Jungs Idee des kollektiven und persönlichen Unbewussten. Ebenso dient Samuel Beckett immer wieder als Inspiration für meinen Umgang mit Raum. Ohne die Dinge direkt anzusprechen, beschreiben die Arbeiten sehr persönliche Zustände: Überlagerungen, Verschmelzungen von Zuständen, persönlicher Verlust, das nicht-kontrollieren-Können von bestimmten Begebenheiten, Zweifel und Befindlichkeiten. Um pure Funktionalität, Verantwortung und Pflichtbewusstsein lodert blindes Getriebensein, kopfloses Suchen und ein Besessensein. Die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten und die Grenze hin zum Wahnsinn, sind immer wieder Thema meiner Arbeiten.

Für meine Installationen greife ich die architektonischen Gegebenheiten des Raums aus und wähle markante Elemente aus, die ich in abgeänderter Form erneut in den Raum einbaue. Der Ausstellungsraum wird zu einem Ort, einer Utopie, der wie ein magnetisches Feld wirkt. Mich interessiert dabei die Darstellbarkeit und Übersetzung von psychologischen Inhalten und Zusammenhängen in skulpturale Assemblagen. Meist verstärke ich deren Wirkung durch eine andersartige Anordnung. Ich vertausche oben/unten oder Innen und Aussen oder ändere die Materialität der Elemente. Ich zwänge meine Materialien in organisch- verschrobene Formen, knote, spanne und dehne sie bis zur Belastungsgrenze. Meine Skulpturen spiegeln eine Balance zwischen radikalen Gegensätzen wider. Glatte Oberflächen werden mit Farbe und Kunstharz vernarbt und verschmutzt, massive Formen ins Schweben versetzt, scheinbar unkontrolliert wuchernde Formen durch architektonische Raster und Grundrisse gebändigt.

Diesen künstlichen Raumkonstruktionen stehen meine Fotoarbeiten gegenüber, die von der Suche nach grösstmöglicher Unmittelbarkeit gekennzeichnet sind. Nach jahrelanger Arbeit mit digitaler Fotografie kehre ich zur analogen Fotografie zurück: Es entstehen Lochkamerafotografien und Fotogramme, sowie Cyanotopien (Eisenblaudrucke, eines der ältesten fotografischen Edeldruckverfahren). Der Verzicht auf die Linse assoziieren sich mit alchemistischen Prozessen und dem Versuch, die Trennung zwischen Betrachter und Gegenstand, Objekt und Subjekt zu überwinden. Dabei interessiert mich das Unvorhersehbare in den analogen fotografischen Prozessen. Es kommt zu Überlappungen und Unschärfen.


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